"Humane Arbeitswelt" - in NÖ mehr als nur Schlagwort
Zunehmender Leistunsgsdruck, beinharter Konkurrenzkampf, Angst um den Job, und das Vernachlässigen eigener,essentieller Bedürfnisse ....die Folge ist, dass bei immer mehr Menschen die work-life balance kippt, und sie durch körperliche oder psychische Erkrankungen frühzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Als dringendes Gegengewicht zu dieser Entwicklung sind Maßnahmen in den Bereichen Gesundheitsförderung, Information und Weiterbildung notwendig. Zur „Förderung der Humanen Arbeitswelt“ wurde jetzt - als Netzwerk und zur Umsetzung themenbezogener Projekte und Ideen - ein neuer Verein gegründet......
Zur festlichen Eröffnung – die unter dem Ehrenschutz von Frau Minister Rauch-Kallat und Herrn Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll stand – konnten maßgebende Referenten gewonnen werden: Univ.Prof. Dr. Norbert Winker (AUVA), Dr. Christoph Lechner (AKNÖ), Landesrat Emil Schabl (NÖ), Leo Manseder (NÖGKK).
Ca. 50% aller Erkrankungen sind arbeitsbedingt, sodass der „Lebenswelt Arbeit“ auch in gesundheitlicher Hinsicht eine entscheidende Bedeutung zukommt. „ Humane Arbeitswelt ist für uns kein Schlagwort, sondern ein Anliegen, für die KollegInnen die Arbeitsbedingungen sicherer und gesünder zu machen“, so Dr. Christoph Lechner, AKNÖ. So gelang es bereits, die Arbeits-Unfallrate um über 43% zu senken, das sind 11.000 Unfälle weniger im Jahr! Das Projekt „Humane Arbeitswelt“ ist eigentlich ein EU-Projekt“kind“ von verschiedenen Institutionen wie bspw. der AUVA und der Entwicklungspartnerschaft AEIOU[1]. Der neugegründete Verein soll den finanziellen background der Beratungsstelle sichern, und die Ideen der AEIOU umsetzen, so der stellvertretende Koordinator Mag. Kurt Nöhmayer. Schwerpunkt der Humanen Arbeitswelt ist vor allem die Berücksichtigung der psychosozialen Aspekte am Arbeitsplatz und deren Auswirkungen. Die Beratungsstelle vernetzt, berät und informiert Arbeitnehmer wie auch Arbeitgeber, verfügt über eine umfassende Expertendatenbank und gestaltet Pilotprojekte in Unternehmen.
Und was bewegt Vereinsmitgründer persönlich, sich für so einen Verein zu engagieren? „ Ich möchte die Arbeit als integrativen Bestandteil des Lebens sehen, nicht getrennt davon“, so die Obfrau und Projektleiterin der H.A Dr. Rosemarie Rerych. Flexible Arbeitszeitmodelle und gute Arbeitsbeziehungen wären ebenso wichtig wie bspw. eine „Umgebungsqualität“ auch im Büro. Und Franz Schaupmann, Vorstandmitglied, sieht es pragmatisch: „Ich gehöre zum geburtenstärksten Jahrgang, nämlich 1963. Nach den Berechnungen darf ich mit 70 in den Ruhestand. Ich wünsche mir für mich selbst dafür die Arbeitsfähigkeit und möchte mithelfen, dieses Ziel für möglichst viele Menschen zu ermöglichen“. Den Job nicht nur als „verkaufte Lebenszeit“ zu betrachten, sondern Menschen dabei helfen, sich in ihrer Arbeit Ausdruck zu verleihen – diese Motivation bewegt Dr. Doris Eller- Berndl, Ärztin f. Präventionsmedizin, und Obfrau des Partnervereins „Gesund sein – gesund bleiben“. Und letzlich, so Dr. Lechner, ermöglicht uns hier in Europa nur eine – in physischer und psychischer Hinsicht – humane Arbeitswelt, um uns im globalen Wettbewerb zu behaupten. Deshalb sollen in der Gesellschaft und Arbeitswelt nicht die Gegensätze im Vordergrund stehen, sondern der gemeinsame größte Nenner.
Wieso als Vereinsstandort gerade Glaubendorf gewählt wurde? Das erklärt Mitbegründer Schaupmann nicht nur mit dem guten sozial- und wirtschaftspolitischen Rückenwind, sondern auch mit den „Kraftfeldern“ dieser Gegend. Wie inspirierend sich diese bereits bei der Eröffnungsfeierlichkeit auswirkten, zeigte sich, indem von den Teilnehmern der Begriff RIF = Rauchen im Freien, geprägt wurde. Eine Anregung, die sich hoffentlich auch jenseits von Glaubendorf durchsetzt.
[1] Arbeitsfähigkeit Erhalten für Individuen, Organsiationen & Unternehmen